Archiv für Herausforderung

In dere Ruhe liegt der Schmerz

Posted in Allgemein with tags , , , , on 5. Dezember 2009 by Karin Wess

Ich stürze mich schon seit Wochen in die Arbeit, treibe ein Projekt nach dem anderen voran. Lasse keine Zeit für Trägheit, für Gedanken, schon gar nicht für mich selbst.

Das Einzige was ich sehe, ist das Voranschreiten der Krankheit. Und mit jedem neuen Bild ziehe ich mich mehr und mehr zurück. Lass die Arbeit überhand nehmen. Von erholsamem Schlaf kann ich noch nicht mal träumen. Dringenst bräuche ich ein wenig Auszeit und doch kann ich sie nicht nehmen, denn sobald ich zur Ruhe komme, kommt auch der Schmerz, kommt die Angst, kommen die Tränen. Ein Schmerz der scheinbar unermesslich scheint und dennoch weiß ich, er wird wohl noch größer.

So sehr hoffe ich, dass ich dann, eines Tages, wann auch immer, die Kraft habe, all dies zuzulassen. Dem Schmerz die Stirn zu bieten um all den schönen, liebevollen Erinnerungen Platz zu machen und zu wissen, dass wir dadurch für immer verbunden sein werden.

Über den Moment hinaus denken

Posted in Allgemein with tags , , , , , on 1. November 2009 by Karin Wess

Meine Beziehung ist großartig, wunderschön – ja, sogar kitschig! Der Liebe wegen bin ich – auf den Tag genau vor 4 Jahren – aus Wien weggezogen, habe den Job gewechselt, mich in einer neuen Stadt eingelebt und bin endlich zu Hause angekommen. Ja, meine Beziehung ist das, wovon ich immer geträumt habe. Nach langer Suche hatte ich sie gefunden: die wahre Liebe.

Doch Janas Krankheit zehrt an unserem Vorrat an schönen Tagen die uns zur Verfügung stehen, sie zerrt an der Liebe und drängt sich oft zwischen uns. Mal kommt der Müll dazwischen, mal die Waschmaschine. Kleinigkeiten, die bis jetzt bei uns Anlass zum Blödeln waren, geben nun Anlass zum Streit.

Und dennoch… er ist der Mann in meinem Leben, den ich nicht missen möchte. Er ist der jenige, mit dem ich (noch immer) alt werden möchte, und er ist derjenige der das selbe Leid auf so unterschiedliche Art erlebt wie ich.

Die Verletzungen die gerade zwischen uns geschehen, tun zwar weh, aber sie sind vergänglich. Darum hilft es mir immer wieder daran zu denken, was Roman Braun in seinem Blog schreibt: „Über den Moment hinaus denken: Das hilft in schlimmen Momenten, weil es an ihre Vergänglichkeit erinnert, und es hilft in den besten Momenten aus dem gleichen Grund.“

Besondere Eltern

Posted in Allgemein with tags , , , on 17. August 2009 by Karin Wess

So oft habe ich schon gehört, dass besondere Kinder auch besondere Eltern haben. Sie würden sich nur jene Eltern aussuchen, die auch stark genug wären, diesen Weg mit ihnen zu gehen. Eltern also, die die Kraft haben, all das auf sich zu nehmen und dennoch unendlich viel Platz für die Liebe zu ihren Kindern im Herzen haben, ungeachtet der Last die sie selbst tragen. Doch unlängst hörte ich einen Papa sagen: „Ich will gar nicht besonders sein!“

Sein Wunsch, nach einem gesunden, völlig „gewöhnlichen“ Kind, das es ihm erlaubt, ein ebenso gewöhnlicher Papa zu sein, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern gleicht dem innigsten Herzenswunsch aller Eltern.

Dennoch, diese spezielle Aufgabe anzunehmen, bedarf einer besonderen Stärke und Willenskraft. Zu leicht könnte er auch aufgeben, einfach gehen und alles hinter sich lassen. Doch er stellt sich. Stellt sich und seinen Ängsten und ist dadurch auch empfänglich für die schönen Momente. Jene Momente, die sich unvergleichlich tief einbrennen in die Herzen und für immer vorhanden sein werden. Momente, die oft so klein und kurz sind, dafür aber umso intensiver erlebt werden. Besondere Momente eben. Für besondere Eltern.

Ein Stück vom Alltag

Posted in Allgemein with tags , , , on 17. August 2009 by Karin Wess

Alltag? Was bedeutet das eigentlich? Im Allgemeinen versteht man darunter den Tages- und Wochenablauf, der sich in einem bestimmten Zügen wiederholt oder gleicht. In ganz jungen Beziehungen wird er gefürchtet, da er möglicherweise das Verliebtsein trübt und die Spritzigkeit verschwindet, wenn zu viel „Alltag“ in die Beziehung einkehrt.

Alltag bedeutet aber auch Routine. Routine bei den täglichen anfallenden Dingen im Job, in der Beziehung, im Kontakt mit Freunden oder auch in der Freizeit. Tätigkeiten, die immer wieder anfallen und denen man keine besondere Bedeutung zumisst, solange sie „alltäglich“ bleiben. Ausreißer aus dieser Routine finden wir entweder aufregend, erschreckend oder aber auch beängstigend. Nichts ist uns lieber als unser gewohnter Alltag; Veränderungen mögen wir eher nicht. Denn Veränderungen bringen oft Unvorhersehbares mit sich und was der Mensch nicht vorhersehen kann, macht ihm oft Angst.

Von diesem Gesichtspunkt aus, haben auch wir einen „Alltag“. Unserer ist geprägt von dem Vorbereiten von Mahlzeiten, Windelnwechseln, Schlaf- und Wachphasen. Klingt ja eigentlich ganz „normal“, oder?

Allerdings werden Janas Mahlzeiten über eine Maschine gesteuert, denn sie wird ausschließlich über eine Magensonde ernährt. Zudem bekommt sie (momentan nur sehr wenig) Medikamente, ihre Wach- und Schlafphasen folgen keinem Rhythmus und werden völlig willkürlich von ihrem kleinen Gehirn gesteuert. Ob morgens um 01.00 Uhr oder erst um 04.00 Uhr geschalfen wird, können wir nur mittels Schlafmittel steuern.

Das gleiche gilt für ihre Körpertemperatur, die sie nicht mehr aktiv regulieren kann. Wenn ihr warm ist, steigt die Temperatur, ist ihr kalt, fällt sie. Schwankungen von 35,5 bis 38,4 °C Körpertemperatur innerhalb von 2 Stunden sind keine Seltenheit, doch eine unglaubliche Anstrengung für ihren kleinen Körper.

Ob es für Jana ein guter oder weniger guter Tag wird, zeigen erst die frühen Morgenstunden und mein eigenes Frühwarnsystem: mein Bauchgefühl. Jeden Tag auf’s Neue stellen wir uns auf die jeweilige Situation ein. Muss sie oft erbrechen, kann sie schlafen oder ist sie wieder 10, 12 oder 17 Stunden durchgehend wach? Hat sie Krämpfe oder Schmerzen und welche Medikamente können ihr heute helfen? Muss die Sonde gereinigt oder gar getauscht werden? Hat sie Atemprobleme oder verschluckt sie sich wieder so böse, dass sie über 1 Stunde husten muss?

Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Nie kann man im Voraus sagen, wie der morgige Tag wird. Und doch haben wir uns darauf eingestellt. Darauf eingestellt, dass jeder Tag anders ist. Auch das folgt einer gewissen Routine. Auch das ist Alltag. Unser Alltag.