Archiv für Alltag

Ein Stück vom Alltag

Posted in Allgemein with tags , , , on 17. August 2009 by Karin Wess

Alltag? Was bedeutet das eigentlich? Im Allgemeinen versteht man darunter den Tages- und Wochenablauf, der sich in einem bestimmten Zügen wiederholt oder gleicht. In ganz jungen Beziehungen wird er gefürchtet, da er möglicherweise das Verliebtsein trübt und die Spritzigkeit verschwindet, wenn zu viel „Alltag“ in die Beziehung einkehrt.

Alltag bedeutet aber auch Routine. Routine bei den täglichen anfallenden Dingen im Job, in der Beziehung, im Kontakt mit Freunden oder auch in der Freizeit. Tätigkeiten, die immer wieder anfallen und denen man keine besondere Bedeutung zumisst, solange sie „alltäglich“ bleiben. Ausreißer aus dieser Routine finden wir entweder aufregend, erschreckend oder aber auch beängstigend. Nichts ist uns lieber als unser gewohnter Alltag; Veränderungen mögen wir eher nicht. Denn Veränderungen bringen oft Unvorhersehbares mit sich und was der Mensch nicht vorhersehen kann, macht ihm oft Angst.

Von diesem Gesichtspunkt aus, haben auch wir einen „Alltag“. Unserer ist geprägt von dem Vorbereiten von Mahlzeiten, Windelnwechseln, Schlaf- und Wachphasen. Klingt ja eigentlich ganz „normal“, oder?

Allerdings werden Janas Mahlzeiten über eine Maschine gesteuert, denn sie wird ausschließlich über eine Magensonde ernährt. Zudem bekommt sie (momentan nur sehr wenig) Medikamente, ihre Wach- und Schlafphasen folgen keinem Rhythmus und werden völlig willkürlich von ihrem kleinen Gehirn gesteuert. Ob morgens um 01.00 Uhr oder erst um 04.00 Uhr geschalfen wird, können wir nur mittels Schlafmittel steuern.

Das gleiche gilt für ihre Körpertemperatur, die sie nicht mehr aktiv regulieren kann. Wenn ihr warm ist, steigt die Temperatur, ist ihr kalt, fällt sie. Schwankungen von 35,5 bis 38,4 °C Körpertemperatur innerhalb von 2 Stunden sind keine Seltenheit, doch eine unglaubliche Anstrengung für ihren kleinen Körper.

Ob es für Jana ein guter oder weniger guter Tag wird, zeigen erst die frühen Morgenstunden und mein eigenes Frühwarnsystem: mein Bauchgefühl. Jeden Tag auf’s Neue stellen wir uns auf die jeweilige Situation ein. Muss sie oft erbrechen, kann sie schlafen oder ist sie wieder 10, 12 oder 17 Stunden durchgehend wach? Hat sie Krämpfe oder Schmerzen und welche Medikamente können ihr heute helfen? Muss die Sonde gereinigt oder gar getauscht werden? Hat sie Atemprobleme oder verschluckt sie sich wieder so böse, dass sie über 1 Stunde husten muss?

Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Nie kann man im Voraus sagen, wie der morgige Tag wird. Und doch haben wir uns darauf eingestellt. Darauf eingestellt, dass jeder Tag anders ist. Auch das folgt einer gewissen Routine. Auch das ist Alltag. Unser Alltag.

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