Das Märchen vom Sternenkind


Es war einmal ein klitzekleiner Engel. Der war so klein, dass sogar die anderen Engel ihn nicht immer finden konnten. Klitzeklein war er. Er war so klein wie die kleinste Schneeflocke oder der kleinste Teil von einem Zuckerstück oder der kleinste Teil von Zimt. Dieser Engel roch sogar ein klein wenig danach. Aber der klitzekleine Engel war traurig. Weil ihm war immer langweilig. Er hatte nämlich nichts zu tun.

Jeder Engel passt auf jemanden auf. Entweder auf ein kleines Mädchen oder auf einen kleinen Jungen. Eine Mama oder einen Papa. Einen Onkel oder eine Tante, eine Oma oder einen Opa. Einige Engel passen sogar auf Hunde, Katzen oder Hasen auf. Andere wiederum kümmern sich um Delphine oder Pferde. Nur der klitzekleine Engel hatte niemanden, auf den er aufpassen konnte.

Bei Vollmond treffen sich alle Engel auf einem Berggipfel. Mutter Mond sieht wie eine große Käsepizza aus und die Engel versammeln sich, um gemeinsam zu lachen und zu tanzen und um sich Geschichten von den Menschen dort unten zu erzählen. Ganz genau so, wie wir unseren Freunden unsere Erlebnisse erzählen.

Engel können an mehreren Plätzen gleichzeitig sein. Genauso wie wir, wenn wir schlafen. Unser Körper liegt im Bett und schläft, während unsere Seele ins Traumland wandert und wunderbare Abenteuer erlebt, an die wir uns beim Aufwachen oft nicht mehr erinnern können. Also ein Teil des Engels passt auf uns auf, während der andere Teil im Mondlicht tanzt. Alle Engel sehen verschieden aus. Genauso wie wir.

Manche Engel haben riesige Regenbogenflügel, manche tragen glitzernde weiße Kleider, andere sind mit Blumen bedeckt. Es gibt Engel, die luftig und durchsichtig sind, andere sind warm und flauschig. Manche kichern und tanzen, während andere sich elegant durch die Nacht bewegen. Die Engel sitzen dann im Kreis und erzählen von ihren Erlebnissen. Und in der Mitte steht jemand, der sehr traurig ist. Aber wo ist er?

Das muss der klitzekleine Engel sein. Er ist so klein, dass sogar die anderen Engel ihn gar nicht sehen können. Warum ist der klitzekleine Engel so traurig? Tja – er beklagt sich, dass er niemanden hat, auf den er aufpassen kann. „Ich will auch für jemanden sorgen, das ist nicht gerecht“, sagte der klitzekleine Engel. Da hättet ihr die anderen Engel sehen sollen. Der klitzekleine Engel tat ihnen sehr leid. „Nun, sagten sie, warum kommst du nicht mit uns bist unser kleiner Helfer?“ „Ich will kein Helfer sein“, antwortete der klitzekleine Engel, stand fest auf dem Boden und atmete richtig! „Ich will auch auf jemanden aufpassen“, rief er und wirbelte im Kreis herum und Regenbogenfunken sprühten. Die anderen fühlten, dass er richtig wütend war.

Dann flog der klitzekleine Engel davon. Mutter Mond schaut auf ihn herab und sieht ihn in traurigen Wellen durch die Luft fliegen. Die Spitzen seiner Flügel hängen schlapp nach unten. Er braucht Hilfe – und Engel bekommen ihre Hilfe – genau wie wir, von Gott. Der Mondstrahl führt den Engel zu einem Kirschbaum voll schöner rosa Blüten, die herrlich süß duften und sich ganz zart anfühlen. Der klitzekleine Engel landet auf einem Zweig und kuschelt sich in eine Kirschblüte, wickelt seine Flügel in die Decke um sich herum und schließt seine winzigen Augen.

Er atmet tiiiief ein und denkt an Gott. „Lieber Gott“, fragt er, “wie kann ich jemanden bekommen, für den ich sorgen darf?“ Dann ist er ganz still….., still….. still, und Gott schickt ihm einen Gedanken: „Du hast eine ganz besondere Aufgabe, mein wunderbarer kleiner Engel.“ Aber was ist meine Aufgabe?“, fragt der klitzekleine Engel. „Suche danach und du wirst sie finden“, hört er in seinem winzigen Kopf.

Er fühlt Gottes Liebe und freut sich. „Wenn du mir sagst, dass ich jemanden finden kann, dann weiß ich, dass es in Erfüllung gehen wird.“ In Gedanken gibt der klitzekleine Engel Gott einen großen Kuss und macht seine Augen wieder auf. „Ich muss meine Aufgabe finden!“ „Ich werde meine Aufgabe finden“, rief er hinauf. Und singend fliegt er davon, seiner Aufgabe entgegen…

Zuerst macht sich der klitzekleine Engel auf die Reise nach Osten, wo alles beginnt und er findet ein großes Meer. Er schaut auf die Fische und passt auf, ob er ein Zeichen sieht oder ein Gedanke kommt, der etwas mit seiner neuen Aufgabe zu tun hat. Aber er bemerkt nur, dass alle viel zu groß für ihn sind.

Also fliegt er nach Süden, wo alles weiter geht. Dort findet er einen großen Wald mit Löwen und Rehen und passt auf, ob er dort etwas bemerkt. Aber er sieht nur, dass alle viel zu groß für ihn sind.

Also fliegt er nach Westen, wo alles aufhört und sich verändert. Er findet eine Wüste und sieht Kamele und Elefanten. Aber auch hier sieht er kein Zeichen und bemerkt nur, dass alle viel zu groß sind.

Als er nach Norden weiter fliegt, hofft er jetzt inständig, dass er dort etwas findet. Dort, wo sich alles ausruht für einen neuen Anfang. Er fliegt auf einen Berg, um sich die Adler und Bären besser anschauen zu können und passt dabei auf, ob er ein Zeichen bemerkt; doch alle sind viel zu groß.

Da wurde der kleine Engel wieder sehr traurig, seine Flügel waren müde. Vater Sonne geht langsam unter und Mutter Mond kommt zurück, gerade als der klitzekleine Engel wieder beim Kirschbaum landet. Der Mondstrahl wartet schon auf ihn als er sich langsam zum Fuß des Kirschbaums herunter gleiten lässt. „Was habe ich falsch gemacht?“ schluchzt der klitzekleine Engel enttäuscht und zuckt mit den Flügeln. „Gott hat mir gesagt, dass ich meine Aufgabe finden werde“ teilt er dem Mondstrahl mit. „warum habe ich sie noch immer nicht gefunden?“ Wieder versuchte der klitzekleine Engel seine Gedanken zu beruhigen, um herauszufinden, was Gott zu sagen hat. Er atmet zweimal tief ein, ist wieder ganz still und da hört er plötzlich ein Geräusch. Jemand weint. Aber wo?

Der Engel blickt sich suchend um. In dem großen Haus, in dem viele Menschen aus und eingehen, da steht irgendwo ein Fenster offen und Bruder Wind trägt es heraus das Geräusch des Weinens.

Schnell schlägt er mit seinen Flügeln und mit einem Windstoß landet er in dem Zimmer dort. Ein Mann sitzt dort am Bett und weint. Hinter ihm steht sein großer Schutzengel – und der seiner Frau, die in dem Bett liegt auch. Ihr Schutzengel ist ganz dicht bei ihr. Der klitzekleine Engel versucht zu verstehen, was der Mann sagt. Wie er da so sitzt und weint. Er versucht ihn zu trösten, aber er hört ihn nicht, sein Stimmchen ist ja viel zu leise. Und die alle weinen da so laut. Dann hört er noch mal ganz genau hin. Und hört den Mann sprechen von einem Kind, das so klitzeklein wäre – Da horcht der klitzekleine Engel auf. Wer ist klitzeklein? Sollte es etwa noch jemanden geben, der wie er, klitzeklein ist? – Wer sollte das sein?, fragt er sich – und ist jetzt ziemlich neugierig.

„Hm“, sagt er. In seinen Gedanken sucht er nach einer Idee. Da hört er Gott sagen: „Schau dir das klitzekleine Mädchen genau an, das zu ihnen gehört. Es gibt etwas, das nur du tun kannst. Und dann sieht er es, der klitzekleine Engel. Das klitzekleine Kind.. Der klitzekleine Engel ist ganz aufgeregt. „Was? Was ist es, das ich tun kann?“ und er starrt das kleine Mädchen an, das ganz reglos vor ihm liegt. ….und dann hat er verstanden! Schnell dreht er sich zu den Schutzengeln um und sagt stolz. „Ich kann Euch helfen! Und nur, weil ich sehr sehr winzig bin! Nur allerkleinste Engel können hier helfen“. „Ich werd bei ihr bleiben und sie begleiten, auf dem Weg nach oben, zu den Sternen. Das Sternenkind. Und ich werde sie beschützen und immer für sie da sein. Denn nur ich kann das, niemand sonst!“

Und dann flüsterte er ihr ins Ohr: „Mach dir keine Sorgen, kleines Mädchen, du bist nie allein. Ich bin bei dir.“ Da wurde das Mädchen ganz friedlich. Und er erzählte ihr auf dem Weg zu den Sternen, wie sehr sie geliebt wird von ihren Eltern, und wie sehr sie sie vermissen. Und davon, dass sie immer in ihren Herzen wohnt…. Und es fühlte sich sehr gut an für das klitzekleine Mädchen – wie, wenn man ein Geschenk bekommt, es aufmacht …oder wie ein Eis an einem sehr heißen Tag….oder wie barfuß im Schnee laufen…..

Und manchmal steigen sie zusammen hinab und besuchen die beiden. Die Eltern können das dann ganz deutlich fühlen, dass sie da ist. Und manchmal, wenn ihre Körper schlafen, wandern ihre Seelen hinauf ins Traumland zu ihrem Sternenkind und dem klitzekleinen Engel.

Jetzt sitzt das klitzekleine Mädchen mit ihrem klitzekleinen Engel dort oben auf dem Stern, der am Abend so hell strahlt und freut sich darüber, dass ihr Papa und ihre Mama manchmal vor lauter Lachen und Freude Tränen in den Augen haben. Das war lange Zeit nicht so.

Aber das klitzekleine Mädchen und ihr kleiner Freund haben ihnen eine Sternschnuppe hinuntergeschickt und auf ihren Lebensweg gelegt. Und sie sind nicht drüber gestiegen und nicht drum herum gegangen, nein, sie haben sie aufgehoben. Sie kam direkt von dort oben, von dem kleinen hellen Stern. Das Lachen und Tanzen dort oben auf dem Stern kann man, wenn man ganz leise ist und lauscht, bis in ihre Herzen hören!

Was immer die Sternschnuppe in Eurem Leben ist, wenn ihr achtsam seid, werdet ihr sie sehen….. und dann wisst, sie kommt direkt von dort – von dem klitzekleinen Engel und Eurem Sternenkind!

Autor leider unbekannt

Eine Antwort to “Das Märchen vom Sternenkind”

  1. ich finde diese Geschichte einfach nur wunderschön.

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