Schicksalstage


Zu erfahren, dass sich eine so liebe Freundin von mir beinahe das Leben genommen hätte, hat mir mehr als nur Gänsehaut beschert. Es beschwert mich. Es verletzt mich. Ich will für sie da sein. Ich will helfen. Sie auffangen. Für sie da sein, so wie sie für mich da war, in meiner bisher schwersten Zeit.

Doch ich weiß auch, dass das Schicksal mehr als nur eine schwere Prüfung für mich bereit hält. Mein Weg mit Jana hat mich auf meine weiteren Aufgaben vorbereitet, die zwar meist gänzlich anders, aber tatsächlich nicht einfacher sind. Dabei dachte ich doch, dass mein bisheriger Weg lediglich die Vorbereitung auf eben diesen Weg mit Jana war. Aber ich hatte übersehen, dass es noch zusätzliche und neue Wegweiser gibt, die mir zeigen, welche Weggabelungen – und Aufgaben – es sonst noch für mich gibt.

Mein Weg führte mich Anfang des Jahres zu einem Baby. Heute weiß ich, ihr Name war Julia. Ich habe mich am 11. März 2012 von ihr verabschiedet. Sie hatte Morbus Krabbe.

Ja, ich war schwanger und habe mich dafür entschieden, diese Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Ohne darauf vorbereitet zu sein, was auf mich zukommt. Ohne zu wissen, wie genau dieser Weg aussehen wird. Einzig mit dem Gedanken, richtig zu handeln. Einzig auf mein Herz zu hören und dieses kleine Seelchen frühzeitig loszulassen. Die letzten Stunden waren ebenso intensiv, wie meine letzten Stunden mit Jana. Und der Abschied ebenso schmerzhaft wie der von Jana, wenn auch nicht so langanhaltend. Doch der Schmerz war der selbe. An der selben Stelle. Ebenso tief. Genauso intensiv.

Tage voll mit körperlichem und seelischem Schmerz, die in diesem Augenblick kaum Platz für unser einzigartiges Energiebündel Natalie ließen. Dabei beschert sie mir so unglaubliche Glücksmomente. Augenblicke, in denen mir Tränen in den Augen stehen vor Glück und Stolz. Momente, die mich dermaßen mit Freude erfüllen, dass mein Herz kurz vorm Zerreißen ist und ich wieder diese tiefe, unendliche Liebe spüre. Eine Liebe, die nur eine Mama empfinden kann. Eine Liebe die weiß, was Verlust heißt. Und eine Liebe, die all die Schicksalstage übersteht, die das Leben noch bereit hält.

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10 Antworten to “Schicksalstage”

  1. Ich möchte Dich einfach mal virtuell drücken.

    Liebe Grüße

  2. Karin, ich würde Dich gern in den Arm nehmen und und einfach nur (fest)halten…
    Ganz liebe Grüße
    Susanne

  3. Liebe Karin
    Dein Herz trägt so viel….
    Deine Töchter haben eine so liebevolle, besondere Mama
    Alles Liebe, mit nun verweinten Augen… Elisabeth

  4. Karin, das „Dasein“ für jemanden, der seinen eigenen Weg gewählt hat ist so schwer.
    Bitte, glaub nicht, dass sie Dich verletzen wollte. Leider hat mein eigener Sohn es schon zweimal fast geschafft sein Leben in die andere Welt zu schicken…. hinterher war es für ihn am schlimmsten mir wieder in die Augen zu sehen. Bis ich das spürte und ihm die Last des „nun schämt er sich auch noch“ von den Schultern genommen habe. In solchen Momenten denken Menschen die Todessehnsucht haben scheinbar nicht an uns die wir doch da sind und …. helfen mögen, würden.
    Sei für sie da, hör zu, rede oder schweige mit ihr. Aber sei nicht verletzt, denn das tut dann nur Dir weh… es liegt nie in unserer Hand was andere Menschen mit dem eigenen Leben tun. Das musste ich bitter lernen ….
    viel Kraft, und glitzernde Sonne auf der Donau … ja, das wünsch ich Dir wenn Du dort spazierengehst mit Deiner Maus.
    Elisabeth

  5. Liebe Karin,

    ich würde Dir grad gern was dalassen, aber mir fällt nichts gescheites ein. Du hast das erlebt, wovor ich so Angst hätte, hätte ich Deinen Mut.

    Ich laß Dir einen ganz lieben Gruß da, ich denke an Dich

    die Löwenmama

  6. Ich denke und denke. Das läßt mich nicht mehr los. Versuche gedanklich zu übertragen und hänge fest. Was ich unbedingt noch loswerden wollte…

    Danke Dir. Ein ganz großes Danke, dass Du so mutig warst und Dein Erlebnis, Dein Empfinden mit uns geteilt hast.

    Ich schick Dir einen ganz lieben Gruß…

    die Löwenmama

  7. Liebe Karin,
    vor etwa einem Jahr bin ich auf deinen blog gestoßen. Owohl ich lange nicht mehr hier war, habe ich deine Texte, eure Geschichte, eure Jana nie vergessen. Immer wieder war ich in Gedanken bei euch. Über Natalie habe ich mich mit euch gefreut und euren Mut so sehr bewundert. Heute lese ich nun von Julia. Ich bin sprachlos. Ihr habt 3 Mädchen und nur eines davon darf in der sichtbaren, greifbaren Welt bei euch leben. So etwas sollte es nicht geben. So etwas sollte niemand erleben müssen. Aus einer virtuellen und dann doch wieder ganz realen Welt (wir sind ja beide lebende Menschen, auch wenn wir uns nicht kennen und nur über einen blog gefunden haben) wünsche ich dir, deinem Mann, eurer Natalie alles, was ihr an Liebe, Zuversicht und Unterstützung bekommen könnt. Meine allerbesten Wünsche. Tiefsten Respekt.
    Mit Tränen in den Augen,
    s.

  8. Liebe Karin, ich war hier …
    alles Liebe
    Elisabeth

  9. Dieses kleine Seelchen sitzt bestimmt irgendwo und ist dir ewig dankbar, für diese Liebe, für dieses Vertrauen, was du ihm geschenkt hast. Loslassen bedeutet tiefe innige Liebe. Loslassen bedeutet vertrauen haben in das Seelchen….ich wünsche dir Kraft und Mut.
    Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende!
    ♥ Julie ♥

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