Archiv für Juli, 2010

Nicht allein gelassen

Posted in Allgemein on 28. Juli 2010 by Karin Wess

Als Jana ihre Reise zu den Sternen begann, trug sie ein kleines Geheimnis in sich. Ein Geheimnis, dass wir mit ihr teilten. Ein Geheimnis, das im Grunde nicht schöner sein könnte. Dennoch macht es mich ab und zu sehr traurig, dass sie es nun nicht mit uns erleben darf.

Obwohl Jana ging hat sie uns nicht alleine gelassen und manchmal glaube ich, sie hat solange gewartet bis wir es realisiert hatten. Jana bekommt ein Geschwisterchen.

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Wie ein Atemzug

Posted in Allgemein on 9. Juli 2010 by Karin Wess

Das mit der Trauer ist so eine Sache. Während sich die einen auf den Trauerprozess einlassen, wehren sich die anderen gegen den Schmerz und damit auch gegen das Loslassen. Bewusst habe ich weder das eine noch das andere gewählt. Dennoch habe ich gemerkt, dass ich mich mehr und mehr zurückgezogen habe, meine Gefühle, meine Ängste, meinen Schmerz nur mit mir ausgemacht habe und niemanden an mich ran ließ. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls nicht falsch. Denn bei der Trauer gibt es weder Schwarz noch Weiß, kein Gut oder Böse und schon gar kein Richtig oder Falsch.

Jeder von uns wählt seinen Weg. Ich habe meinen. Der deckt sich oft nicht mit dem, was andere von mir erwarten würden. Aber Erwartungen erfülle ich schon lange nicht mehr. Nicht mal meine eigenen. Dennoch fühle ich mich ab und zu einsam, ein wenig hilflos und immer wieder überfahren von einzelnen Momenten, in denen mich die Trauer einfach überrollt. Was zurückbleibt bin ich selbst, platt und völlig überfordert am Boden liegend. Doch nach diesen Schrecksekunden die unterschiedlicher nicht sein könnten, stehe ich wieder auf, atme meist tief durch und suche als erstes nach einem Taschentuch.

Und dazwischen? Dazwischen liegt wohl das, was man Trauerbewältigung nennt. Lernen, wie man mit diesen überrollenden Dampfwalzen umgeht. Die Suche danach, ob man sich darauf vorbereiten oder aber wie man der ein oder anderen aus dem Weg gehen kann. Ja, das mit der Trauer ist so eine Sache. Sie kommt und geht ganz automatisch. Manchmal nur flach, doch manchmal auch ganz tief. Und irgendwann wird es uns nur noch selten bewusst – ganz so wie ein einzelner Atemzug.

So unnahbar nah

Posted in Allgemein on 8. Juli 2010 by Karin Wess

Eine liebe Freundin von mir fuhr vor ein paar Tagen in den Urlaub, alleine. Wir haben noch telefoniert und es war ein Gespräch „wie in guten, alten Zeiten“. Es wurde gelacht, geblödelt und es wurden Witze gemacht. Wie ein Statist beobachtete ich mich dabei, wie ich dieses Telefonat führte. Das Headset im Ohr, die Hand am Steuer, den Blinker nach rechts, keine Fußgänger oder Radfahrer, passt – Gang einlegen, Gas geben, wieder lachen. Ich war zurück versetzt in Zeit, als auch ich mal alleine Urlaub machte. Eine Zeit, als meine Welt noch der der anderen glich. Schlagartig wurde mir klar, dass diese Zeit, dieses Unbekümmerte, so nie wieder kommen würde. Heute bin ich mehr ich. Mein Lachen ist authentischer. Meine Welt ist nur die meine.

Diese neue Welt, dieses veränderte Ich macht mich heute aus, sie hat mich reicher und erfahrener gemacht. Den Tod sehe ich nun anders, das Leben erst recht. Ich lasse Freude zu und Hoffnung. Kann mich über wenige Kleinigkeiten ärgern und sehe das allermeiste völlig gelassen. Janas Herz trage ich bei mir und so bleibt ihr Seelchen für immer unnahbar nah.