Archiv für April, 2010

Leerer Schmerz

Posted in Allgemein on 8. April 2010 by Karin Wess

Seit einigen Tagen überkommt mich immer wieder eine unglaubliche Welle. Ein Gefühls-Tsunami, der mich mitreißt und mir die Luft zum Atmen nimmt. Gedanken, Erinnerungen, Liebe, Wut und Hoffnung werden in ihm durcheinander gewirbelt und vermischt. Tränen fließen in unendlichen Strömen. Alles kommt hoch um nach einiger Zeit wieder in einer unendlichen Leere zu verschwinden.

Diese Leere füllt derzeit meinen ganzen Tag und schafft keinen Raum für Abwehrkräfte. Keine Rettungsweste, die mich vor dem nächsten Tsunami zumindest ein wenig schützen könnte. Diese Leere beinhaltet keine Trauer, keine Tränen, keine Hoffnng, keine Liebe, noch nicht mal Wut. Dieser Zustand ist einfach nur leer. Ob dies nun der große Hammer ist, auf den ich gewartet habe? Ich weiß es nicht.

Doch diese Leere, dieser Schmerz, dieser leere Schmerz in mir macht das Zusammenleben nicht leichter. Katapultiert er mich doch in eine ganz andere Welt, eine leere Welt in der nichts Platz zu haben scheint. Wir trauern so unterschiedlich und doch so gleich, getrennt durch diese große Leere in mir.

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Der unsichtbare Hase

Posted in Allgemein on 3. April 2010 by Karin Wess

Unfassbare 3 Wochen ist meine kleine Maus nun schon ein Sternchen. Eine Zeitspanne, die mir einerseits so unglaublich lange aber auch so unbeschreiblich kurz vorkommt. 3 Wochen, in denen dermaßen viel passiert ist, dass mein Verstand kaum nachkommt. Doch fast jedesmal wenn ich ihr Plätzchen am Friedhof besuchen gehe, sehe ich ihn wieder: den unsichtbaren Hasen.

Es war der allerletzte Weg, den wir mit ihr gingen. Die Träger vor uns trugen Blumen, allen voran der Priester. Und direkt vor uns jemand, der Janas Urne trug. Und da war er plötzlich! Groß, ruhig und interessiert an dem, was da gerade geschah. Wir waren nur mehr wenige Schritte von Janas Plätzchen entfernt als mich Christoph anstupst und sagt: „Schau mal, da sitzt ein Hase!“ Und tatsächlich, zwischen all den kleinen Gräbern der anderen Sternchen saß da ein ausgewachsener Feldhase. Er saß ganz still und die Sonne brachte sein Fell leicht zum glänzen. Einige Sekunden saß er völlig regungslos bis er uns dann sogar ein paar Schritte begleitete.

Eigenartig daran war nur, dass ihn sonst niemand sah, dabei war er nur ca. 3 Meter von uns entfernt. Für mich ein Augenblick der Gewissheit, dass es meiner kleinen Prinzessin nun wirklich gut geht und sie viele Freunde schon gefunden hatte. Ein Zeichen, dass nur Christoph und ich sahen. Es war eben unser unsichtbarer Hase – vielleicht geschickt von Jana.

Freunde

Posted in Allgemein on 2. April 2010 by Karin Wess

Wahre Freunde sind wie die berühmte Nadel im Heuhaufen – schwer zu finden. Ich war glücklich und auch ein wenig stolz darauf, doch einige davon gefunden zu haben. Manche erst vor kurzer Zeit, manche vor 10 oder mehr Jahren. Manchmal war der Kontakt sehr intensiv, dann wieder weniger. Doch nicht die Quantität machte diese Freundschaften aus, sondern die Qualität.

Janas Diagnose doch änderte plötzlich sehr viel. Einige Kontakte brachen beinahe komplett ab, andere, ganz wenige intensivierten sich sogar. Menschen, die ich dennoch um mich haben wollte, lies ich wissen, dass sie keine Scheu oder Angst zu haben brauchten und versuchte, ihnen die Berühungsängste zu nehmen.

In der Woche vor Janas Beerdigung kamen so viele Anrufe. Offensichtlich wollte jeder „helfen“ und wissen, wie es mir denn ginge. Viele haben uns am Freitag vor 2 Wochen begleitet und sich selbst noch ein Mal von Jana verabschiedet; manche damit wohl auch von mir, wie mir in den letzten Tagen klar wurde.

Keine Anrufe, keine E-Mails, keine Briefe oder andersartige Kontaktaufnahmen. Schweigen. Stille. Dass sie nun nicht wüssten, wie sie auf uns zugehen sollen, kann ich diesmal nicht gelten lassen, denn jeder hatte von uns eine kleine „Anleitung“ dafür bekommen, was wir nun brauchen und uns wünschen. Dennoch – heute sind nur wenige, ganz, ganz wenige Personen um mich. Das sind genau die, die auch den ganzen Weg der letzten 13 Monate mit uns gingen.

Diese Zeit hat mich sehr verändert, mich wachsen lassen und mir gezeigt, das Leben wahrlich als Wunder zu sehen. Nichts ist heute mehr selbstverständlich für mich, alles ein Geschenk. Jene Menschen, die mich während dieser Zeit intensiv begleitet haben, haben sich selbst auch verändert. Auch deren Blick hat sich verändert. Der meiner „anderen“ Freunde jedoch ist gleichgeblieben. Sie haben diese Entwicklung nicht durchlebt – und das macht uns heute so verschieden.

Ich mache niemandem einen Vorwurf. Jeder lebt sein Leben auf die für ihn bestmöglich Art und Weise. Nur blicke ich teils traurig zurück auf die Zeit „davor“, als alles noch so leicht und unbeschwert war, lasse manche Menschen nur ungern los. Doch auch diese Entwicklung ist gut so wie sie ist. Sie macht Platz für neue Freundschaften, schafft Raum für neue Begegnungen. Und eines Tages werde ich es auch verstehen.