Archiv für Dezember, 2009

Kuschelige Weihnachten

Posted in Allgemein with tags , , on 31. Dezember 2009 by Karin Wess

Da ich weiß, dass unsere kleine Jana viel zu früh zu den Sternen reisen wird, habe ich mich durch die letzten beiden Wochen geschleppt, viel geweint und dennoch ein Bäumchen geschmückt um sie den Zauber der Weihnacht spüren zu lassen. Ich konnte zwar nicht ihre strahlenden Augen wegen eines glitzerenden Baumes sehen, dafür jedoch die Liebe im Inneren spüren.

Kuschelige WeihnachtenEs war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: „Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach“, sagte er sich, „und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich – und ich mich selbst am wenigsten.“

So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.

Da klopfte ein Klümpchen Wachs an seine Tür und sagte: „Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab‘ da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab‘ dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!“

Da war der kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: „Nun hat mein Dasein doch einen Sinn.“ Und wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun.

In diesem Sinne, wünschen wir euch allen kuschelige Weihnachten und ein neues Jahr, das voller Wunder steckt!

Sonnenkind statt Schneeprinzessin

Posted in Allgemein with tags , , , , on 21. Dezember 2009 by Karin Wess

Vor ein paar Tagen war es endlich soweit – der erste Schnee in diesem Winter. Die Stadt war angezuckert und die Grashalme steckten unter einer weißen Decke. Jana lag, wie jeden Tag nach dem Aufstehen, auf ihrer giftgrünen Lillylin Lounge Liege. Im schicken Body und gestreiftem Shirt mit passender Hose und mädchenhaften Söckchen lauschte sie den Dingen, die um sie herum passierten. Und als die Ernährungspumpe weiterhin mit ihrem Frühstück beschäftigt war, wurde der weiße Flaum der Stadt immer dichter und dichter. Ja, Frau Holle war richtig fleißig.

Wie jedes Jahr konnte ich den ersten Schnee kaum erwarten. Ich freute mich und lächelte und war für einen Moment unglaublich glücklich. Ich erzählte Jana von dem bezaubernden Anblick und versuchte ihr, die Geschehnisse zu beschreiben. Doch noch während die Schneeflocken tanzten, fing ich an zu weinen. Denn sie konnte sie nicht sehen. Sie konnte nicht durch den Schnee laufen und mit Papa einen Schneemann bauen. Kein Schlittenfahren und auch keine Schneeballschlacht. Keine Zimtsterne und keine heiße Schokolade zum Aufwärmen.

Und während ich trauriger und trauriger wurde, sagte Janas Papa zu mir: „Warum bist du traurig? Jana ist doch sowieso viel mehr ein Sonnenkind als eine Schneeprinzessin!“

Wie recht er doch damit hatte! So viele Bilder entstehen in unseren Köpfen. Manche machen uns glücklich, doch so viel mehr machen uns betrübt. Doch wenn wir die Gedankenbilder gehen lassen, eröffnet sich der Blick für das Tatsächliche. Und dadurch konnte ich sehen, dass es Jana an diesem Tag richtig gut ging und sie meine Wärme und Liebe weitaus mehr genoss als die Schneeflocken vor dem Fenster, die sie ja noch nicht mal kannte.

In dere Ruhe liegt der Schmerz

Posted in Allgemein with tags , , , , on 5. Dezember 2009 by Karin Wess

Ich stürze mich schon seit Wochen in die Arbeit, treibe ein Projekt nach dem anderen voran. Lasse keine Zeit für Trägheit, für Gedanken, schon gar nicht für mich selbst.

Das Einzige was ich sehe, ist das Voranschreiten der Krankheit. Und mit jedem neuen Bild ziehe ich mich mehr und mehr zurück. Lass die Arbeit überhand nehmen. Von erholsamem Schlaf kann ich noch nicht mal träumen. Dringenst bräuche ich ein wenig Auszeit und doch kann ich sie nicht nehmen, denn sobald ich zur Ruhe komme, kommt auch der Schmerz, kommt die Angst, kommen die Tränen. Ein Schmerz der scheinbar unermesslich scheint und dennoch weiß ich, er wird wohl noch größer.

So sehr hoffe ich, dass ich dann, eines Tages, wann auch immer, die Kraft habe, all dies zuzulassen. Dem Schmerz die Stirn zu bieten um all den schönen, liebevollen Erinnerungen Platz zu machen und zu wissen, dass wir dadurch für immer verbunden sein werden.

Einsame Erinnerungen

Posted in Allgemein with tags , , on 4. Dezember 2009 by Karin Wess

Oft schon habe ich mich gefragt, wer sich außer mir eines Tages noch an Jana erinnern wird. Dann, wenn ihre Seele längst ein neues Zuhause gefunden hat und sie nur mehr in meinem Herzen lebt. Wer wird diese Erinnerungen an sie mir mit teilen?

So viele Stunden verbringen nur wir beide gemeinsam, deutlich weniger gemeinsam mit Papa und nur sehr seltene zusammen mit Freunden. Zu wenig Zeit, zu viel Stress und zu große andere Probleme hindern viele daran, uns zu besuchen. So verbringen wir den Großteil der Zeit alleine. Und Janas Krankheit hindert mich daran, so wie früher überall im Doppelpack mit ihr zu erscheinen. Somit tristen wir oft ein gemeinsames, aber manchmal ein (für mich) wenig einsames Dasein.

Wer also wer wird eines Tages meine Erinnerungen an Jana mit mir teilen? Wer wird mit mir lachen über all die schönen Dinge die uns widerfahren sind? Und wer mit mir weinen, weil sie eine so dermaßen unendliche Lücke hinterlassen wird?

Wer außer mir wird sich daran erinnern, dass sie der wichtigste Teil in meinem Leben ist? Und wer wird sie in seinem Herzen tragen – außer mir?