Nacht der Lichter


Städte bei Nacht haben einen ganz besonderen Reiz, vor allem wenn man die Möglichkeit hat, sie von oben zu betrachten. Diesen Anblick genieße ich jedes Mal, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch war und wieder nach Hause fahre. Denn obwohl sie nur wenige Kilometer entfernt wohnen, liegt doch ein Höhenunterschied von ca. 400 Metern zwischen uns. Darum beschert mir die Heimfahrt immer wieder einen Blick auf das tiefer liegende „Linz bei Nacht“.

Doch gestern Abend war etwas anders. Mein Blick galt nicht der Stadt, sondern einem kleinem Friedhof an dem ich jedesmal vorbei fahre. Die schützende Mauer die ihn umgibt, gibt dennoch den Blick auf die Gräber frei während man weiter bergab fährt.

LichtermeerOft schon fuhr ich mit schwerem Herzen an diesem kleinen Friedhof vorbei und machte mir Gedanken über Janas Begräbis. Und gestern dann strahlte mich dieses kleine Fleckchen Erde an. Es funkelten dutzende kleiner roter Lichter. Jedes Grab hatte sein eigenes. Ein Meer der Liebe und der Hoffnung, ruhig und friedlich. Mit Tränen in den Augen und Jana am Rücksitz fuhr ich weiter – den Anblick dieses kleinen Lichtermeeres weiterhin vor meinen Augen.

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Eine Antwort to “Nacht der Lichter”

  1. Pater Elmar Busse Says:

    LIebe Mutter von Jana
    Schmerz und Trauer – und doch darunter ein ruhiges Strömen der Liebe zu Ihrem leidenden Kind. Das ist dann in der Seele wie am Meer: Da gibt es auch Unterströmungen, die eine andere Richtung haben als die Wellen an der Oberfläche. – Für Schwimmer und Surfer kann das gefährlich werden – aber in der Seele – bedingt durch die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Strömungen – gibt es hin und wieder Irritationen: Was ist jetzt „mein“ Gefühl? Was ist tief, was ist oberflächlich? So leicht ist das gar nicht zu sagen. – Ihre Liebe zu Jana ist wirklich. Ihr Schmerz und Ihre Trauer sind wirklich. Aber wenn Jana einmal einen Platz auf diesem Friedhof gefunden haben wird, also wenn sie ausgelitten hat, dann bleibt doch Ihre Liebe zu Jana. Und Liebe hat „etwas Ewiges“ in sich (ich bin etwas verlegen, weil ich als Gläubiger mich nur schwer verständlich machen kann im Gespräch mit Ihnen, der das irgendwie fremd oder zumindest exotisch vorkommt) Und dieses „Ewige“ Ihrer Liebe hat Ihr Herz verändert. Im Deutschen gibt es diese seltsame Redewendung „Ich mag dich gut leiden.“ Sie will ausdrücken, dass wir jemanden lieben. Während wir ja sonst uns zu recht vor jedem Angriff schützen und verteidigen, sind wir bereit, bei jemanden, den wir lieben, ihn so nah an unser Herz zu lassen, dass er nicht nur Nähe sondern auch Schmerzen bereitet. Jeder von uns hat schließlich seine „Stacheln“ (das möchte ich jetzt ganz weit gefasst verstanden wissen, denn zu den „stacheln“ gehören ja nicht nur unsere Unarten, sondern auch unsere Begrenzungen, die wir einfach von Natur aus mitbekommen haben.) In Ihrem Fall hat Ihr Schatz diese mörderische Krankheit. Und weil Sie Jana lieben, leiden Sie mit ihr. Und gleichzeitig ist in diesem Leiden eine Liebe, die nichts mit dem oberflächlichen Zuckerwasserphänomen zu tun hat, was leider auch manchmal mit diesem sehr kostbaren Wort „Liebe“ benannt wird.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie Arbeit nicht als Schmerztablette nehmen und sich in Arbeit stürzen über das notwendige Maß hinaus, sondern den Schmerz aushalten und im Schmerz die Intensität Ihrer Liebe wahrnehmen können.
    Ihr Pater Elmar Busse

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